Moringa oleifera – vom Schmierstoff zum Superfood

Moringa oleifera – vom Schmierstoff zum Superfood von 1 Kommentar

Es ist schon eine ungewöhnliche Geschichte, die Karriereentwicklung des Moringa. Früher wurden die Samen des Moringa oleifera, so die offizielle Bezeichnung dieses indischen Laubbaumes, zu Schmieröl für Uhrwerke verarbeitet. Heute gilt es als Superfood und wir verfeinern mit dem gleichen Öl unsere Salate. In den Ländern, in denen er heimisch ist, können die Bestandteile des Baumes außerdem tatsächlich wahre Wunder bewirken.

Kaum zu glauben, was der unscheinbare Baum alles können soll. Was steckt wirklich drin, in den einzelnen Baumbestandteilen von Moringa und auf wessen Speiseplan kann es eine sinnvolle Ergänzung sein?

 

Der Unterschied von Moringa oleifera und Moringa stenopetala

Botaniker und Ernährungswissenschaftler unterscheiden beim Moringabaum zwischen dem Moringa oleifera und Moringa stenopetala. Optisch sind die beiden Moringapflanzen jedoch nur schwer auseinanderzuhalten und auch in der Zusammensetzung gibt es kaum gravierende Unterschiede. Ihre hauptsächliche Differenzierung liegt in ihren Anbaugebieten. So scheint der Moringa stenopetala besser mit dem Klima Afrikas harmonieren zu können, wächst dafür aber auch langsamer als der Moringa oleifera.

Ob es geschmackliche Unterschiede zwischen den beiden Arten gibt, darüber sind sich Verbraucher nicht abschließend einig. Einige empfinden den Moringa stenopetala in gekochter Form als süßlicher und wohlschmeckender, ähnlich dem Geschmack von Spinat.

Für Nahrungsergänzungsmittel wird vermehrt der Moringa oleifera genutzt, weswegen wir uns nachfolgend vor allem mit diesem beschäftigen.

 

Wunderbaum mit vielen Namen

Der Moringa oleifera stammt, wie bereits erwähnt, ursprünglich aus Nordindien, einer Region, die seinerzeit von britischen Kolonialherren besetzt war. Diese schätzten den Baum vor allem wegen seiner essbaren Blätter und Wurzeln, die beide eine ausgesprochen scharfe und würzige Note aufwiesen. Letztere erinnerte die Briten vor allem an ihren geschätzten Meerrettich aus der Heimat, was ihm schließlich den Beinamen Meerrettichbaum einbrachte.

Die Einheimischen hingegen gaben ihm die Bezeichnung “Wunderbaum”. Aus Ehrung und um zu unterstreichen, dass fast alle Teile des Moringabaums – vom Blatt bis zur Wurzel – essbar oder zumindest verwendbar sind. Ein weiterer Beiname ist „Baum der Unsterblichkeit“, den er sich durch seine ausgesprochene Resistenz gegen Dürre verdient hat, aber vielleicht auch, weil er laut indischem Volksglauben mehrere 100 Krankheiten heilen kann. Die Bezeichnung „Trommelstockbaum“, die das Gewächs aufgrund seiner herabhängenden, bohnenähnlichen Früchte trägt, sei hier nur noch der Vollständigkeit halber erwähnt.

Genauso vielseitig wie seine Bezeichnung sind auch seine Einsatzgebiete in einer gesunden und ausgewogenen Ernährung.

 

Das sind die Inhaltsstoffe von Moringa

Der Baum reiht sich ein, in die immer länger werdende Liste der Superfoods. Es sind vor allem die vielen verschiedenen Nährstoffe, die der tropischen und subtropischen Pflanze diesen Namen eintragen. Sie enthält:

  • Vitamin A
  • Vitamine des Vitaminkomplex B, genauer B1, B2 und B6
  • Biotin
  • Vitamin K
  • Vitamin E
  • Vitamin D
  • Vitamin C
  • Eisen
  • Kalium
  • Calcium
  • Magnesium
  • Zink
  • … und viele weitere

Das macht Moringa aus ernährungsphysiologischer Sicht beinahe zu einem „rundum sorglos“ Paket, von dem auch die Herkunftsländer profitieren. Der Baum hat sich inzwischen so weit verbreitet, dass er nicht mehr nur in Nordindien, sondern auch in Asien und Afrika beheimatet ist. Besonders in der zuletzt genannten Region werden die Blätter und Wurzeln dazu verwendet, die hier noch immer weit vorherrschende Unterernährung zu bekämpfen. Erfolgreich. Hilfsorganisationen zeichneten eine deutlich geringere Säuglingssterblichkeit und weniger Anzeichen von Unterernährung auf, wenn stillende Frauen, Kinder aber auch Männer regelmäßig mit einem Pulver der getrockneten Moringablätter versorgt wurden.

Für uns, die auf ein reichhaltigeres Nahrungsangebot zurückgreifen können und demnach auch frische Lebensmittel zur Verfügung haben, können Moringaprodukte jedoch allenfalls eine sinnvolle Nahrungsergänzung sein. Die Wirkung auf Unterernährung kommt in westlichen Ländern nur dann zum Tragen, wenn eine medizinisch bedingte Unterernährung vorliegt.

 

Vorsicht vor allzu aggressiver Werbung

Der Blick auf die Liste der reichhaltigen Inhaltsstoffe, ebenso wie seine zahlreichen, klangvollen Beinamen, verlocken schnell, den Moringabaum als das Superfood und die Lösung aller Ernährungsprobleme einzustufen. Das haben auch viele Hersteller erkannt, die versuchen, damit das schnelle Geld zu machen. Bei allem Enthusiasmus das derzeit vorherrscht, sei jedoch daran erinnert, dass sich der „Wunderbaum“ nur in eine lange Liste ausgezeichneter Lebens- und Nahrungsergänzungsmittel einreiht. Als Letzteres ist Moringa sicher ideal, nimmt aber kein Alleinstellungsmerkmal in Anspruch. Wer auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung achtet und dazu Moringaprodukte hinzuziehen will, dem seien die getrockneten und pulverisierten Blätter wärmstens empfohlen – dennoch sollte man sich vor allzu aggressiver Werbung, die das Blaue vom Himmel verspricht, in Acht nehmen.

 

Wo der Baum wirklich Wunder vollbringen kann

Zugegeben: Im Gegensatz zu vielen anderen Lebensmitteln steht Moringa eher in der Kritik von Ärzten und Ernährungswissenschaftlern. Viele Laien schätzen den Ruf von Moringa oleifera weitaus besser ein als seine tatsächliche Wirkung. Dennoch gibt es zwei Aspekte, in denen der Moringa tatsächlich wahre Wunder vollbringt.

Die eine und für sein Herkunftsland sicherlich am bedeutendste, ist seine Fähigkeit, Wasser zu reinigen und es somit gleichsam von schädlichen Bakterien zu befreien. Hierzu genügen zwei Gramm Moringasamen auf 1 Liter Wasser, um dieses trinkbar zu machen. Für die durch Dürre und Armut gebeutelten Entwicklungsländer in Afrika eine Eigenschaft, die unbezahlbar ist. Für uns in Europa, wo Trinkwasser zum Glück in Hülle und Fülle zur Verfügung steht, eher vernachlässigbar. Dennoch kann auch uns der Moringa Baum mit einer ganz besonderen Fähigkeit überzeugen. Die positive Wirkung von Moringa auf den menschlichen Mechanismus ist unbestritten. Sein enormes Wachstum von bis zu 8 Metern schon im ersten Jahr und mehreren Zentimetern täglich rief Forscher einst auf den Plan, dem Geheimnis seiner Stärke auf die Spur zu kommen. Diese fanden schließlich den Wirkstoff Zeatin, der in dieser Konzentration in keiner anderen Pflanze vorkommt und außerordentlich zellschützend und regenerierend wirkt. Das führt dazu, dass er beziehungsweise auch seine zermahlenen Bestandteile, wie zum Beispiel seine Blätter, den natürlichen Alterungsprozess deutlich verlangsamt.

 

Moringaprodukte

Eines vorweg: Aufgrund seines hohen Gehaltes an Zeatin ist der Moringabaum nicht nur in der Ernährung beliebt. Auch die Kosmetik hat die getrockneten und verarbeiteten Blätter für sich entdeckt und so findet die sich vor allem in pflegenden Cremes und Anti-Aging Lösungen. Für die Ernährung sind aber selbstverständlich andere Darreichungsformen von Bedeutung. Vor allem Kapseln und Presslinge werden über den Handel als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben, aber auch Tees haben ihren Weg in das reichhaltige Angebot der Produkte gefunden. Da Moringa als Superfood gilt, wittern allerdings einige Hersteller und Betreiber von Moringa Plantagen mit dem Vertrieb das schnelle Geld, sodass die Qualität der angebotenen Moringa-Produkte stark schwankt. Hier lohnt es sich auf jeden Fall, auf das Biosiegel zu achten und gegebenenfalls auch mehrere Hersteller miteinander zu vergleichen. Hier ein Beispiel für ein gutes Bioprodukt:

 

Zusammengefasst ist Moringa ein hochwertiges Produkt, in Form von Kapseln oder Presslingen kann es die Ernährung durchaus sinnvoll ergänzen. Vergleicht man Moringa als Superfood jedoch mit anderen Lebensmitteln, welche diese Bezeichnung tragen, so bleibt der „Wunderbaum“ teilweise hinter den Erwartungen zurück.

 

Quellen:

http://www.scienceinschool.org/2011/issue18/moringa

http://www.unesco.org/most/bpik10-2.htm

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3290775/

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