Einschätzung des Superfood-Tests der Stiftung Ökotest

Einschätzung des Superfood-Tests der Stiftung Ökotest von 8. April 2016 0 Kommentare

Natürlich ist die Berichterstattung über die schlechten Testergebnisse von Superfoods der Stiftung Ökotest auch an uns nicht unbemerkt vorübergegangen. Wir haben in Gruppen und Foren bemerkt, dass dies zu großer Verunsicherung geführt hat und möchten das in dieser Stelle gern Einsortieren.

 

Ist Superfood ungesund / gefährlich?

Grundsätzlich nein. Anders als einige der Berichte über das Ökotest-Ergebnis vermuten lassen, sind Superfoods per Se nicht gesundheitsbedenklich. Bei Einigen gibt es eine maximale Verzehrmenge pro Tag beziehungsweise Verzehrempfehlungen. So sollten z.B. nicht mehr als 15 Gramm Chiasamen verzehrt werden. Beim Konsum von Flohsamenschalen ist es wichtig ausreichend zu Trinken.

Anders zu bewerten sind die Testergebnisse der konkreten Produkte. Hier wurde laut Ökotest Verunreinigungen gefunden, die zum Teil gesundheitsgefährdend sind. Das hat uns natürlich auch geschockt, vor allem da es sich zum Großteil um Bioprodukte handelt. Dies zeigt wieder, wie wichtig es ist, vor dem Kauf genau zu schauen und sich zu informieren. Natürlich ist dies für den einzelnen Konsumenten nur schwer bis gar nicht machbar. Hier können nur Webseiten, Verbrauchermagazine und die Transparenz der Hersteller selbst weiterhelfen. Wir finden das Alnatura hier sehr gut reagiert hat und hoffen, dass die Versprechen gehalten werden.

 

Sind Superfoods gar nicht gesundheitsfördernd?

Einige Unternehmen haben das Thema Superfoods und den Begriff für sich entdeckt und versuchen mit wahren Heilsversprechen die Verkaufszahlen anzuheben. Davon halten wir nichts. Wir versuchen in allen Texten das Für und Wider zu beleuchten und orientieren uns an den aktuellen Erkenntnissen der Wissenschaft. Grundsätzlich kann man über alle Superfoods hier sagen, dass sie gesund sind und einen hohen Nährstoffgehalt haben. Einige haben auch nachweislich eine positive medizinische Wirkung, wie beispielsweise Flohsamenschalen oder Matcha Tee.

Aber natürlich kann keines schwere Erkrankungen heilen! Um sich gesund zu ernähren bedarf es einer ausgewogenen Ernährung. Diese durch einzelne Produkte kompensieren zu wollen, funktioniert natürlich nicht. Superfoods können jedoch einen Teil dieser ausgewogenen Ernährung darstellen.

 

Ist Superfood überflüssig?

Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Natürlich gibt es viele gesunde heimische Lebensmittel. Wir selbst sind große Freunde regionaler Produkte. Für uns ist es aber keine Entweder/Oder-Entscheidung und es gibt gute Gründe, auch auf Superfoods zurückzugreifen:

1. Der Geschmack: Natürlich sind Heidelbeeren ebenfalls sehr gesund und lecker. Aber sie mit Acai zu vergleichen ist Quatsch, denn Acai schmeckt nun einmal komplett anders. Das Gleiche gilt für Lucuma oder Matcha Tee.

2. Die Abwechslung: Gerade im Winter, wenn heimische Obst- und Gemüsesorten Mangelware sind, können Exoten, darunter auch Superfoods, den Speiseplan sowohl geschmacklich als auch was den Nährstoffbedarf betrifft, aufpeppen. Wer von uns will schon den ganzen Winter über Kraut und Rüben essen?

3. Superfoods können wertvolle Substitute für bestimmte Ernährungsformen sein: Superfoods sind ausschließlich pflanzlich. Hier können vor allem Produkte bei der veganen Ernährung helfen Nährstoffe auszunehmen, die sonst vor allem in tierischen Produkten vorkommen. Oder eben in bestimmten Superfoods. Das selbe gilt für Menschen mit Glutenunverträglichkeit.

Man sollte sich weiterhin bewusst machen, dass viele Lebensmittel, die wir heute als heimisch betrachten ursprünglich auch nicht hier beheimatet sind, manche auch heute noch nicht. So rät Ökotest beispielsweise auf Linsen oder Walnüsse zurückzugreifen, da auch diese sehr gesund sind und heimisch. Jedoch kommen Linsen ursprünglich aus dem Orient und der Walnussstrauch ist nicht winterfest, somit eigentlich in Deutschland nicht heimisch. Auch das wir heute gern unseren Speiseplan mit Mangos, Ananas oder Avocados erweitern, sieht kaum jemand kritisch. Anders sehen wir das mit den Superfoods auch nicht.

 

Wie ist das Ergebnis der Ökotest einzuordnen?

Grundsätzlich ist die Arbeit von Verbraucherinstitutionen wie Ökotest sehr zu begrüßen und die aktuellen Ergebnisse sollten nicht einfach vom Tisch gewischt werden. Immerhin zeigen sie auf, dass es hier viel zu verbessern gibt! Ständig Kontrollen können und werden hoffentlich zu einer weiteren Qualitätssteigerung führen.

Jedoch schwingt in der Veröffentlichung auch ein wenig Populismus mit. Wie gesagt, auch wir behaupten nicht, dass man sich mit heimischen Produkten nicht gesund und ausgewogen ernähren könne. Jedoch wird das Ergebnis dargestellt, als wären Superfoods grundsätzlich gesundheitsgefährdend. Dabei werden aber verschiedene Punkte verschwiegen bzw. verfälscht dargestellt:

1. Einige der getesteten Produkte waren mit Pestiziden u.ä. belastet. Das ist nicht gut und gehört öffentlich gemacht. Es sagt aber nichts über die Verträglichkeit des Nahrungsmittels an sich aus. So wird einerseits gesagt „Vor allem konventionelle Goji-Beeren sind mit Vorsicht zu genießen…“ – wobei es um eine bestimmte Marke geht, die verunreinigt war. Während ein anderes Gojibeeren-Produkt mir „Sehr gut“ ausgezeichnet wurde.

2. Es wurden komplett verschiedene Produkte getestet. Es wurden 22 Produkte getestet, 18 verschieden Superfoods. Das scheint wenig aussagekräftig. Schöner wäre es gewesen, wenn sich Ökotest entschieden hätte z.B. 10 Gojibeeren-Produkte oder 15 Chiasamen-Angebote zu testen. Dann hätte man anhand des Ergebnisses eventuell etwas ablesen können: Herkunft, Hersteller, Anbauart – was ist problematisch. So wurden im wahrsten Sinne Äpfel mit Birnen verglichen.

3. Es wird suggeriert, es handele sich hier um „Superfood-Probleme“. Dabei sind auch gerade heimische Lebensmittel immer wieder im Fokus, weil sie verunreinigt sind. Ein kürzlich durchgeführter Test zeigte, dass die meisten Kräutertees stark belastet sind. Regelmäßig wird Dioxin in Bio-Eiern gefunden, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Für uns wirkt es ein bisschen so, als sollen Superfoods grundsätzlich in ein schlechtes Licht gestellt werden, anstatt objektiv zu testen und dies dann zu veröffentlichen. Denn Ziel sollte es sein, dass alle Lebensmittel, die bei uns verkauft werden, unbedenklich sind und gewissen Standards entsprechen, anstatt Konsumenten Angst zu machen.

Diskutiere mit uns in unserer Gruppe: Superfoods – Erfahrung, Verwendung, Rezepte

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