Glutenunverträglichkeit – und plötzlich verträgt es keiner mehr

von 2. August 2016 4 Kommentare

Von Gluten bekommst Du Bauchschmerzen, vergesslich macht es und dick noch dazu – wenn das keine Gründe sind, den „Getreidekleber“ zu meiden. Diese Aussagen wissen auch die Lebensmittelindustrie für sich zu nutzen und produziert glutenfreie Produkte in Hülle und Fülle. Ein Inhaltsstoff eines Produkts, von dem sich Menschen seit Ewigkeiten ernähren, gilt nun als ungesund und Auslöser sämtlichen Körperleids. Wir sind stutzig geworden und fragen uns – was ist Glutenuverträglichkeit überhaupt? Wo ist Gluten enthalten und ist es wirklich per se schlecht?

 

Was ist Gluten?

In Weizen ist besonders viel Gluten enthalten.

In Weizen ist besonders viel Gluten enthalten.

Bei Gluten handelt es sich um ein Proteingemisch, das in den Samen bestimmter Getreidearten vorkommt. Bei Nässe verbinden sich diese Eiweiße und es entsteht das, was wir Gluten nennen. Was viele nicht wissen: Das Proteingemisch erfüllt im Samenkorn eine wichtige Speicherfunktion, indem es den keimenden Weizenpflänzchen Aminosäuren und Eiweißstoffe liefert. Diese werden zum Wachstum benötigt und sind somit existenziell wichtig für den Anbau von Getreide. Des Weiteren ist Gluten für die Elastizität des Teigs verantwortlich – ein Superkleber – und sorgt dafür, dass sämtliche Backwaren aufgehen und in ihrer Form bleiben können. Dass wir sonntags auf ein perfekt geformtes Frühstücksbrötchen zurückgreifen können, verdanken wir also einem bestimmten Inhaltsstoff. Und den sollen wir plötzlich nicht mehr vertragen?

 

Glutenfrei oder nicht?

Bevor wir auf die Frage der Verträglichkeit näher eingehen, wollen wir euch vorerst zeigen, in welchen Lebensmitteln Gluten enthalten ist. Analysen zeigen, dass die höchsten Glutengehalte in Getreidekörnern und den daraus hergestellten Produkten zu finden sind. Hierbei weist Weizen – welch Überraschung – einen hohen Glutengehalt auf, zudem lässt sich in Dinkel viel von der Eiweißmischung finden. Die niedrigsten Glutengehalte im Vergleich zu anderen Getreidearten und Produkten sind in Roggen enthalten. Zudem hält sich das Gluten auch in Hafer und Gerste zurück. Allerdings lässt sich der Kleber auch in für uns weniger offensichtlichen Produkten finden – besonders stark verarbeitete, mit Stabilisatoren versehenen Lebensmitteln kommen ohne das Proteingemisch nicht aus. Wurst, Kartoffelerzeugnisse, Süßigkeiten und fertige Gewürzmischungen – hier ist die Wahrscheinlichkeit, dass Gluten enthalten ist, relativ hoch.

Wir haben für euch eine kleine Übersicht an glutenhaltigen- und glutenfreien Lebensmitteln erstellt:

Glutenhaltige Lebensmittel:

  • Weizen und Roggen
  • Gerste und Hafer
  • Grünkern und Dinkel
  • daraus hergestellte Teig- und Backwaren
  • Salzstangen
  • Bier
  • Seitan

 

Welche Lebensmittel sind wirklich glutenfrei?

Welche Lebensmittel sind wirklich glutenfrei?

In unverarbeitetem Zustand sind folgende Lebensmittel glutenfrei:

  • Obst und Gemüsesorten
  • Kartoffeln
  • Salate
  • Milch und Naturjoghurt
  • Pflanzenöle
  • Fleisch
  • Zucker und Honig
  • Eier
  • Gewürze
  • Reis und Wildreis
  • Amaranth und Quinoa

 

Glutenunverträglichkeit und Zöliakie – für wen Gluten wirklich gefährlich ist

Glutenunverträglichkeit ist im Trend. Weil Menschen sich gut und gesund fühlen, wenn sie verzichten. Doch während hingegen der Verzicht auf Zusatz- und Konservierungsstoffe sich nicht nur gesund anfühlt, sondern es tatsächlich ist, erweist sich glutenfreie Ernährung bei gesunden Menschen als unnötig. Die Expertin Bianca Maurer von dem Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V. äußerte sich diesbezüglich ebenfalls mit den Worten: „Für gesunde Menschen, bei denen keine medizinische Notwendigkeit wie Zöliakie oder Weizensensitivität besteht, bringt die glutenfreie Ernährung keine Vorteile“. Auch wer davon ausgeht, glutenfreie Ernährung trage zu einem schnelleren Abnehm-Erfolg bei, irrt. Das fehlende Gluten in den Lebensmitteln muss ausgeglichen werden – dies geschieht oft in Form von Zugabe von Zucker und Fett.

 

Die Lebensmittelindustrie profitiert – echte Glutenunverträglichkeit und Zöliakie wird weniger ernst genommen

Verbraucher zahlen Unsummen für glutenfreie Produkte – nicht nur der Geldbeutel leidet unter dem vermeintlich gesunden Verzicht, sondern auch die von echter Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie betroffenen Menschen. Verfallen immer mehr Menschen dem Glutenfrei-Trend, besteht die Gefahr der Verharmlosung.
Zöliakie-Betroffene würden somit auf weniger Toleranz in der Bevölkerung stoßen – das Risiko, versehentlich Gluten zu konsumieren, würde zunehmen.
Bei Zöliakie handelt es sich um eine chronische Erkrankung des Dünndarms, die auf einer Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß beruht. Die Zufuhr von Gluten führt bei den Betroffenen zu einer Entzündung der Darmschleimhaut, was eine Zurückbildung der Darmzotten verursacht. Im Zuge dessen entstehen Nährstoffdefizite, die sich auf den gesamten Körper auswirken.

Übrigens: Es gibt tatsächlich eine Glutenunverträglichkeit. Diese hat allerdings wenig mit einer Trend-Unverträglichkeit zu tun, noch weniger mit Zöliakie. Die Symptome äußern sich in Form von Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung. Anders als bei dem Krankheitsbild Zöliakie wird jedoch die Dünndarmschleimhaut nicht gereizt und gesundheitliche Folgeschäden bleiben somit aus.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unterschieden werden muss zwischen echter Glutenunverträglichkeit, der Krankheit Zöliakie und einem Trend, der vor allem eins ist – kostspielig.

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