Fleisch – ist Fleischverzicht gesund?

Fleisch – ist Fleischverzicht gesund? von 31. Oktober 2016 1 Kommentar

Trotz steigender Präsenz von Vegetarismus und Veganismus, Gammelfleischskandalen und erschreckenden Bildern der Massentierhaltung – der Fleischkonsum in unserer Gesellschaft ist so hoch wie nie. Begünstigt wird diese Entwicklung durch günstige Preise, ständige Verfügbarkeit sowie einer weiterhin hohen gesellschaftlichen Akzeptanz des Fleischessens. Gleichzeitig leiden immer mehr Menschen unter typischen Volkskrankheiten wie Herzleiden, Übergewicht und Arteriosklerose. In diesem Beitrag widmen wir uns deshalb folgenden Fragen: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Volkskrankheiten? Was macht Fleischkonsum gesund bzw. ungesund?

 

Was ist drin im Fleisch

Qualitativ hochwertiges Fleisch ist ein guter Lieferant für biologisch hochwertige Nährstoffe. Keine Ballaststoffe, dafür aber tierisches Eiweiß, Eisen, Zink sowie sämtliche Vitamine der B-Gruppe sind in einer guten Form verfügbar – das bedeutet, es kann von dem Körper vergleichsweise schnell absorbiert werden. Eiweiß und Eisen sind für den Körper wichtig und machen Fleisch zu einer guten Quelle dieser vom Körper benötigten Nährstoffe. Neben wichtigen Nähr- und Mineralstoffen sind jedoch auch andere Stoffe in Fleisch und Wurstprodukten zu finden, die dem Körper zusetzen und die Aufnahme von Nährstoffen beeinträchtigen. Je nach Qualität und Herkunft besteht Fleisch zu einem gewissen Anteil aus tierischen Fetten sowie diversen Säuren – Harnsäure, Schwefel- und Salpetersäure.

 

Wir sind aufs Fleisch gekommen – ein eingefleischtes Problem

Zu Großmutters Zeiten wurde höchstens einmal in der Woche Fleisch gegessen. Fleisch hatte seinen Preis, war nicht unbegrenzt verfügbar und galt somit als kostbares Lebensmittel – 1955 kam der damalige Verbraucher dementsprechend auf einen jährlichen Verbrauch von 36 Kilogramm. Heutzutage sind die Preise aufgrund Massentierhaltung so niedrig, dass täglicher Fleischkonsum für jeden problemlos möglich ist. Pro Kopf werden in Deutschland jährlich 60 Kilogramm Fleisch und Fleischwaren konsumiert – die doppelte Menge im Vergleich zu früher. Die 60 Kilogramm setzen sich zusammen aus ca. 40 Kilogramm Schweinefleisch, 12 Kilogramm Geflügel und etwa 8 Kilogramm Rind- und Kalbfleisch. Rechnen wir diese Werte auf ein Menschenleben hoch, verzehrt der Mensch einen ganzen Tierpark – bestehend aus 945 Hühnern, 46 Schweinen und Puten, 37 Enten, vier Rinder und Schafe sowie zwölf Gänsen. Der hohe Fleischkonsum unterstützt allerdings nicht nur die Massentierhaltung, sondern könnte auch unserer Gesundheit schaden.

 

Macht Fleisch krank?

Grundsätzlich ist Fleisch nicht ungesund. Beim Fleischkonsum verhält es sich wie mit anderen Lebensmitteln auch: Zuviel ist ungesund. Zu viel Spinat kann z.B. auf Grund der darin enthaltenen Oxalsäure ebenfalls gesundheitsschädigend sein.

Das Problem liegt nicht in der Zusammensetzung von qualitativ hochwertigem Fleisch, sondern im Konsumverhalten. Ein Großteil der Menschen isst zu viel Fleisch und Wurstprodukte, folglich muss sich der Körper mit Unmengen an gesättigten Fettsäuren und Eiweißen auseinandersetzen. Der durchschnittliche Erwachsene sollte pro Woche nicht mehr als 300-600g Fleisch essen, tatsächlich kommt er aber auf um die 1200g! Pro Tag sollten nicht mehr als 27g gesättigte Fettsäuren aufgenommen werden – ein einziges Wiener Würstchen enthält schon um die 8g. Konsumieren wir dazu noch weitere tierische Produkte, sind wir schnell deutlich über dem empfohlenen Tagesbedarf.

Anfang der achtziger Jahre haben die Universität Gießen, das Krebsforschungszentrum Heidelberg und das Bundesgesundheitsamt Berlin drei große Vegetarier-Studien durchgeführt. Besonders auffällig waren damals die geringere Anfälligkeit gegenüber Krebs sowie die günstigeren Blutdruckwerte der Vegetarier. Eine weitere große Studie der London School of Hygiene and Tropical Medicine kommt zu ähnlichen Ergebnissen. 11.000 Vegetarier wurden bei dieser Studie 12 Jahre lang beobachtet und mit einer Kontrollgruppe verglichen, die, abgesehen vom Fleischkonsum, eine ähnliche Lebensweise und einen vergleichbaren sozialen Status wie die untersuchten Probanden hatte.

Die wesentlichen Erkenntnisse zusammengefasst:

  • bessere Blutdruckwerte
  • bessere Nierenfunktionsleistung
  • niedrigere Blutfett- und Harnsäurewerte
  • ein besseres Körpergewicht
  • geringere Anfälligkeiten gegen Krebs sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • höhere Lebenserwartung

Die typischen Volkskrankheiten, die durch Fleischkonsum bewiesenermaßen begünstigt werden, sind vielfältig.
Überblick über die im Fleisch enthaltenen Inhaltsstoffe und deren Folgen:

 

Das alte Lied der gesättigten Fettsäuren

Tierisches Fett ist reich an gesättigten Fettsäuren – durch häufigen Fleischkonsum nehmen wir davon zu viel auf, was zu Schäden an den Blutgefäßen führt. Unsere Zellen können das Cholesterin, das in tierischen Fetten enthalten ist, nicht mehr vollständig aufnehmen. Der Überschuss führt zu Ablagerungen und Entzündungen an den Gefäßwänden – dies begünstigt die Entstehung von Arteriosklerose. Jederzeit kann sich ein Pfropf lösen, durch die Blutbahnen wandern und ein Gefäß verstopfen. Besonders gefährlich ist dies im Bereich der Herzkranzarterien, denn eine Verstopfung an dieser Stelle kann einen Herzinfarkt auslösen. Findet die Verstopfung der Blutbahnen im Bereich des Gehirns statt, ist ein möglicher Schlaganfall die Folge.

 

Tierisches Eiweiß und die Mär vom hohen Proteinbedarf

Der Tagesbedarf an Eiweiß eines durchschnittlichen Erwachsenen beträgt ca. 58g täglich – aufgrund des Konsums tierischen Lebensmittel wird dieser Wert häufig überschritten. Da Vegetarismus Milchprodukte nicht ausschließt und zudem noch auf Hülsenfrüchte zurückgreift, tappen auch Vegetarier oft in die Eiweiß-Falle. Deshalb an dieser Stelle auch ein Hinweis für die Vegetarier unter euch: Eine Studie der Harvard Medical School belegt, dass pflanzliches Eiweiß die deutlich bessere Alternative zu Tierischem darstellt.
Nehmen wir zu viel Eiweiß auf, wird der Organismus überlastet. Überschüssiges Eiweiß kann nicht verwertet werden und es entstehen Abfallprodukte, die Entzündungen in den Gelenken fördern. Mögliche Folgen dieser Entzündungen: Arthrose. Zudem haben amerikanische Wissenschaftler mithilfe von Zellexperimenten herausgefunden, dass Eiweiß – besonders das aus rotem Fleisch – das Wachstum von Krebszellen anregen kann. Der Hintergrund: Eiweiß setzt Stoffe frei, die das Wachstum der Zellen fördern – besonders Sportler legen deshalb oft Wert auf eiweißreiche Ernährung. Zuviel Eiweiß führt zu einem Überschuss an wachstumsfördernden Stoffen – die Gefahr, dass Zellen mutieren, wächst.

 

Säuren von denen die wenigsten wissen

Fleisch enthält Harn-, Schwefel- sowie Salpetersäure. In Schweinefleisch lässt sich zudem ein besonders hoher Gehalt an Arachidonsäure finden. Der Körper kann diese Säuren nur in geringen Mengen verarbeiten und die Säurelast sammelt sich im Bindegewebe. Um sich vor der Säure zu schützen, werden die Zellmembranen dicker – als Konsequenz können Nährstoffe nicht mehr in die Zellen gelangen und Abfallprodukte aus den Zellen nicht abtransportiert werden. Bewegt ihr euch zudem wenig, verstärkt sich dieser Effekt. Steigt der Harnsäurespiegel auf ein gewisses Maß, bilden sich aus der Harnsäure kleine Kristalle, die sich bevorzugt in Gelenken oder Nieren einlagen – je nach Ablagerungsort sind Gichtanfälle oder Nierensteine sind die Folge.

 

Massentierhaltung – Antibiotika und Stress gratis

Massentierhaltung bedeutet unpassende, nicht tiergerechte Haltung. Um die Tiere trotz miserabler Lebensumstände leistungsfähig zu halten und das Wachstum zu beschleunigen, ist eine häufige, routinemäßige Verabreichung von Antibiotika unvermeidlich. In Deutschland werden jährlich 816 Tonnen Antibiotika für Behandlungen am Menschen eingesetzt – mehr als die doppelte Menge findet ihren Einsatz in der Tiermedizin. Das Bundesamt für Risikoforschung schätzt, dass Schweinen im Schnitt 5,9 und Rindern 2,3 mal Antibiotika verabreicht wurde, bevor sie geschlachtet wurden – diese Antibiotika gelangen über Fleisch sowie weitere Produkte tierischen Ursprungs wie Milch oder Eier in unsere Nahrungskette. Neben toxischen oder allergieauslösenden Eigenschaften, die Antibiotikarückstände in Lebensmitteln besitzen können, hat die unbewusste Aufnahme des Arzneimittels vor allem eine Folge: Durch die zunehmende Verabreichung entwickeln Bakterien immer mehr Resistenzen und werden unempfindlich gegenüber bestimmten Antibiotika. Kommt ihr mit resistenten Keimen in Kontakt, können sich daraus gefährliche Infektionen bilden, die kaum zu behandeln sind – weil übliche Arznei keine Wirkung mehr zeigt.

Wer sich für ein Produkt aus Massentierhaltung entscheidet, muss allerdings noch mit weiteren Stoffen rechnen, die dem Organismus erheblich zusetzen. Fleisch von Tieren, die im permanenten Stress sind, ist voll mit Stresshormonen, wie Adrenalin und Cortisol. Wie sich diese Hormone im Fleisch auf den Menschen auswirken ist von Experten ungeklärt, das sie sich im Fleisch befinden ist unbestritten. Jeder sollte sich die Frage stellen, ob ein krankes Tier, dass über Monate gelitten, hat einen positiven Beitrag zu seiner Gesundheit leisten kann. Ausserdem muss Fleisch minderer Qualität mit diversen Zusatzstoffen und Geschmacksverstärkern ergänzt werden, da es durch die kurze Lebensdauer der Tiere relativ geschmacklos ist.

 

Zusammengefasst: Alle im Fleisch vorhandenen Nährstoffe sind relativ einfach über andere Nahrungsmittel substituierbar. Dadurch ist die Frage mit ja zu beantworten, der Fleischverzicht ist aus unserer Sicht gesund. Jeder, der sich für Fleischkonsum entscheidet, sollte bereit sein, den für qualitativ hochwertiges Fleisch gerechtfertigten Preis zu zahlen. Macht euch bewusst: Auch wenn Fleisch in Massen verfügbar ist, sollte es – wie es früher auch der Fall war – ein Lebensmittel bleiben, welches in Maßen konsumiert wird, da es ansonsten eure Gesundheit negativ beeinträchtigt. Produkte aus Massentierhaltung gilt es gänzlich zu meiden – aus moralischer, aber vor allem auch aus gesundheitlicher Perspektive.

 

Quellen:
http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2008/5778/
https://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2003/dkfz_pm_03_12.php

1 Kommentar

  1. Britta
    #1 Britta 31 Oktober, 2016, 23:04

    Das Schlimmste am Fleischkonsum sind m. E. nicht die gesundheitlichen Auswirkungen, sondern die Auswirkungen auf den Planeten (Wasserverbrauch, Verschmutzung der Meere etc.) – hängt leider auch dran. Abgesehen davon, dass es ethisch fragwürdig ist, Tiere auszubeuten.

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